ARTIST OF THE WEEK | VANESSA BEECROFT

Vanessa Beecroft stellt seit 1994 Rauminszenierungen in aller Welt vor. An ihren Performances sind meist Frauen beteiligt, welche sie dafür in den Vordergrund eines Raumes stellt. Der erste Blick soll ihnen gewidmet werden. Vanessa betrachtet das ganze Szenario von außen, wie die Besucher. Das Gesamtspiel soll wie ein komplettes Bild wirken und das Prinzip ihrer Performances ist meist dasselbe. Eine große Dynamik ist nicht gegeben. Die Akteure dürfen sich lediglich langsam bewegen und sich hinsetzen, falls sie nicht mehr stehen können. Des weiteren dürfen keine Emotionen gezeigt werden. Die Meinungen über die Werke sind sehr umstritten. Viele bezeichnen sie als pornographisch oder gar frauenfeindlich. Vanessa mag es aber anscheinend  zu provozieren und das mit der nackten Wahrheit.

Eng.: Vanessa Beecroft has been staging performance art all over the world since 1994. Her performances involve mostly women, whom she places in the foreground of a room. They are supposed to be the center of attention. Vanessa observes the scene from without, like the visitors. The performers are merely allowed to move slightly or sit down if they can’t stand anymore. Furthermore, emotions are not permitted. The opinions on Beecroft’s performances vary. Many consider her work pornographic or even misogynistic. Vanessa seems to enjoy the provocation, playing with the naked truth.

1417570340800MAXXI_BELLISSIMA_vb74_Beecroft_9013

VB74 Maxxi Museum, Rom – (http://parole-darte-d.blogautore.repubblica.it/files/2014/11/MAXXI_BELLISSIMA_vb74_Beecroft_9013.jpg)

Vanessa Beecroft provoziert aber nicht nur. Sie drückt noch anderes mit ihren „lebendigen Bildern“ aus. Durch die Herkunft Beecroft’s, Italien, wirkt es so, als wollte Vanessa Madonnen und Jungfrauen darstellen. Da die Frauen verschleiert, aber auch nackt sind kommt hier die Provokation wieder zum Vorschein, aber auch der Widerspruch. Eine Jungfrau? Entblößt ? – Das regt an.

Eng.: Vanessa Beecroft doesn’t only provoke, she expresses much more with her „living pictures“. Her heritage, Italy, makes it seem like Vanessa is showing Madonnas and maidens. As the women are veiled, but naked as well, the challenging side of Beecroft’s work is shining through. A maiden? Exposed? – That inspires.

VB61.412.VB-VB-61-Still-Death-Darfur-Still-Deaf-Venice-2007-digital-C-print-127x170-cm-ed-6_300-dpi1VB61 : Still death! Darfur still deaf? – (http://www.galleriaminini.it/wp-content/uploads/2011/04/VB61.412.VB-VB-61-Still-Death-Darfur-Still-Deaf-Venice-2007-digital-C-print-127×170-cm-ed-6_300-dpi1.jpg)

Diese Performance widmete Beecroft 2007 der ständigen Gewalt und dem Krieg im Sudan. Dazu wurden die Akteure mit schwarzem Make-up bemalt. Die Individualität der Beteiligten steht bei dieser Performances nicht im Vordergrund und die blutähnliche Farbe erinnert enorm an ein Massaker. Vanessa stößt bei diesem Werk dem ein oder anderen ganz schön vor den Kopf, da diese Masse an angemalten Menschen so extrem im Zusammenspiel mit der Farbe wirkt. Warum nimmt sie denn nicht einfach Akteure mit schwarzer Hautfarbe, wie sie es sonst gemacht hat? Wahrscheinlich drückt sie hiermit eine Art Gleichheit aus. Jeder könnte hier liegen. Jedem könnte so etwas widerfahren.

Eng.: In 2007, Beecroft dedicated this performance to the constant violence and war in Sudan.  The individuality of the actors, who are covered in black make-up, is not the main priority. The blood-like colour reminds of slaughter. The intensity of the painted performers in combination with the colour caused a shock. Why didn’t she hire actors of colour? She probably indicates some kind of equality. Everybody could lie here. Everybody could experience something like that.

18VB63 VBKW, Ace Gallery, Los Angeles – (http://www.phillips.com/Xigen/lotimg/Vanessa-Beecroft/UK000410/18)

Beecroft’s Markenzeichen ist leicht zu entdecken. In ihrer Arbeit findet man immer eine gewisse Uniformität. Sei es, dass alle Akteure nackt sind oder dass sie die gleichen Schuhe und den gleichen Bikini tragen. Des weiteren hält sie nichts von der Kommunikation zwischen den Akteuren. In ihrem Sinne „dienen“ sie nur dem Werk. Das erzeugt eine gewisse Spannung zwischen dem Besucher und dem Akteur. Das überwältigt schon, wenn 20 nackte Frauen vor dir stehen, nichts sagen und keine Emotionen zeigen. Sie sind nackt, vollkommen entblößt dem Betrachter ausgeliefert. Dieser ist hierbei synonym für die Gesellschaft, die Akteure symbolisieren das Frauenbild zu der Entstehungszeit der Performance. Vanessa weist so auf die Unterdrückung der Frauen hin. Sie unterdrückt diese in ihrer Performance und weist damit darauf hin. Die Besucher lassen dies auf sich wirken und beobachten.

Eng.: Beecroft’s trademark is easily spotted: Characteristic of her work is a certain uniformity – be it that all protagonists are naked or wear the same shoes and bikinis. That’s the only form of communication she allows. In her interest, the performers are „serving“ the performance. This creates a tension between the audience and the actor. It does overwhelm when twenty naked women are standing in front of you, without saying anything or showing any kind of emotions. They are nude completely exposed to the audience- the symbolisation of society. The protagonists stand for the image of women at the time of creation. Vanessa is introducing the audience to that problem while they are taking in the picture.She is introducing the audience to the problem of the women’s oppression while the viewers observe and take in the picture.

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VB35, Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1998 – (http://clampart.com/wp-content/uploads/2012/06/Beecroft_VB35-bikinis)

Warum ist Vanessa Beecroft unser Artist of the Week ? Eindeutig wegen ihrer besonderen Art auf politische Themen und soziale Verbindungen aufmerksam zu machen. Die oft hinter den Werken steckendeProvokation ist auch sehr interessant, da dies auf jeden anders wirkt und dadurch verschiedene Reaktionen – sei es vom Zuschauer, der Presse oder den Akteuren – gezeigt werden.

Eng.: Why is Vanessa Beecroft our Artist of the Week? Clearly because of her extraordinary way of addressing political topics and drawing attention to social connections. The provocation behind her work causes a diverse range of effects on audience, press and protagonists.