ARTIST OF THE WEEK | Yayoi Kusama 草間 弥生

Grell, auffällig, strahlend, schwarz-gelb. Die Farben einer Biene und im Zentrum herausstechend: Rot -ein kräftiger zinnoberroter Fleck.

Etwas grimmig schaut uns das Gesicht einer älteren Dame an. Herausfordernd blickt sie dem Betrachter in die Augen. Tiefe Furchen ziehen sich durch ihr Gesicht, um ihren Mund und auch in den Augenwinkeln. Gerade sitzt sie im Mittelpunkt des Bildes, man könnte es auch als thronen bezeichnen, ihre Kleidung fließt ebenmäßig in den ähnlich gemusterten Hintergrund.

Die posierende Dame heißt Yayoi Kusama (jap. 草間 彌生, modern: 草間 弥生).

Frau Kusama ist eine zeitgenössische Künstlerin aus Japan, wie man aus ihrem Namen schließen kann, und gehört zu den bedeutendsten der Nachkriegszeit.

Gemäß der konfuzianischen Lehre, wuchs sie in den 30ern in einem Elternhaus geprägt von Strenge und Autorität auf. Durch den ständigen Druck, der ablehnenden und entfremdenden Art ihrer Mutter, welche wollte, dass ihre Tochter traditionell aufwächst, entwickelte sie Halluzinationen in Form von Punkten und Netzmuster, die sich langsam ausbreiteten, sodass sie fürchtete von ihnen verschlungen zu werden.

Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände, und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen, und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts. – YAYOI KUSAMA, 1967

Außerdem hatte sie Angst vor phallisch geformten Objekten.

So flüchtete sie in die Kunst und verarbeitete ihre Ängste in Zeichnungen, und später Malereien, Aktionen und Happenings. Trotz landesweiter Bekanntheit, wurde sie abgelehnt von der japanischer Gesellschaft, die führende Frauen zu dieser Zeit nicht in der Kunst duldete, deswegen beschloss sie 1957 nach New York zu ziehen. Ihre Eltern gaben ihr Geld für den Flug unter der Bedingung, dass sie nie wieder zurückkehrt.

In Amerika blieb der finanzielle Erfolg zunächst aus, und sie zog von Galerie zu Galerie auf der Suche nach Ausstellungsfläche. Erst 1966 wurde sie schlagartig international berühmt durch ihre Arbeit Narcissus Garden.

Eng: Radiant, vivid, bright, black and yellow, colors of the bee and in the center an intense red, a shining vermilion stain.

The face of an elderly lady is looking quite grumpy at us. A provoking glance is laying in her eyes, staring at the observer.

The posing lady’s name is Yayoi Kusama (jap. 草間 彌生, modern: 草間 弥生). She is one of Japan’s best known contemporary artists of the post-war period.

According to the confucian doctrine, she grew up in an environment, shaped by pressure, rigorousness and authority. Due to her mother’s rejecting and estranging behaviour, she developed hallucinations of polka dots and other patterns, spreading out around her and making her disappear.

I looked at that red pattern on the tablecloth, and as looked up, it began to spread out, filled the whole room, finally covered my body and the universe. I started to disappear and discovered myself in the infinity of never-ending time and the absoluteness of surface. I got reduced to perfect nothing. – YAYOI KUSAMA, 1967

She shared phobias of phallic formed objects as well.

Art was used as an escape and she reflected her fears in drawings, which later expanded to paintings, actions and happenings. Already nationally well-known, Japanese society still hasn’t accepted her as they didn’t acknowledge female artists in that time. That is why 1957 she decided to move to New York. Her parents paid the flight while making her promise to never come back.

Financially she wasn’t that successful in the States, her wandering around the galeries looking for exhibition space was nothing new to the exhibitiors. Almost ten years later, in 1966, Narcissus Garden made her instantly famous internationally.

Ihre Arbeit wurde nicht für die Biennale in Venedig ausgewählt. Eigensinnig wie sie jedoch ist, beschloss sie die Installation vor der Ausstellungshalle aufzubauen. So lagen schließlich 1500 spiegelnde Kugeln auf einer Grasfläche vor der Biennale, eine japanische Frau wanderte zwischen ihnen umher und verkaufte sie an Passanten für 1200 Lire (heute ca. 210 Euro). Dabei hielt sie ein Schild, auf welchem Your Narcisium For Sale stand und auf den Narzissmus, der durch den Kunstkauf und -besitz entsteht, verweist.

Bis die Veranstalter die Installation polizeilich räumen lassen konnten, war Kusama schon zur bekanntesten Künstlerin dieser Biennale geworden.

Es folgten Happenings wie Horse Play (1967), und 14th Street Happening, bei welchem Kusama auf einer New Yorker Straße in einem Kasten voller gepunkteter phallusförmiger Kissen liegt.

Eng: Her works were not chosen for the Biennale in Venice. But as stubborn as she is, she decided to exhibit her installation in front of the showroom. There they laid, 1500 reflecting balls on grass-grown ground. A Japanese woman was wandering around and sold them to passers-by for 1200 lire (now about 210 Euros). While doing so, she held up a sign, which said Your Narcisium For Sale – it should point out the narcissism going along with buying or owning art.

It was too late, when the organizers tried to vacate it, Ms. Kusama was already the most popular exhibionist of the Biennale.

After that, she did happenings such as Horse Play (1967), and 14th Street Happening, in which she laid in a box on a street in New York, which was filled with red-white polkadotted phallusformed pillows, what actually had kind of a mushroom vibe to it.

Ihren Popularitätshöhepunkt erreichte sie 2011 durch eine Zusammenarbeit mit Marc Jacobs – sie entwarf mit ihm eine Kollektion bestehend aus Lederwaren, Ready-To-Wear, Accessoires, Schuhe, Uhren und Schmuck für Louis Vuitton, natürlich übersäht mit Polka Dots.

Eng: In 2011 she reached her popularity climax – a collaboration with Marc Jacobs. She designed a line with him for Louis Vuitton, including leather goods, ready-to-wear, accessoires, shoes, watches and jewelry, obviously covered in polka dots.

Es ist sicherlich sehr überraschend zu sehen, was eine 86-jährige Dame wie Frau Kusama erreicht hat, auch wenn es bereits einige Beispiele der Vegangenheit gibt, die zeigen dass auch ältere Frauen nicht gegen internationale Popularität und Erfolg gefeiht sind, wie Louis Bourgeois oder Marina Abromovic, nur um mal ein paar zu nennen.

Kusama sticht jedoch aus ihnen nochmals hervor durch ihren Sinn für jugendliche Ästhetik, die schrill, bunt und provokant ist, sich jedoch auch mit Tradition und dem Charme der Alterns vermischen kann.

Hoffentlich hört sie niemals auf die Welt mit Punkten zu überziehen,.

Eng: It is certainly surprising what a 86-years-old lady like Ms. Kusama can archieve, even though we already had examples in the past, proving elderly ladys are not immune from international popularity and success, such as Louis Bourgeois or Marina Abromovic, just to name a few.

Outstanding is her sense for youthful aesthetics, which are blatant, colorful and provoking, but still able to mix with tradition and the charme of aging.

Hopefully she will never stop to cover the world in polka dots.

Bildquellen: Telegraph UK, “Narcissus Garden” Image from Love Magazine (UK), Interactive, Museografo, Stylerumor, Designboom, Vogue UK