BAFW | Julia Männistö

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„In meiner Kollektion geht es um einen Jungen, der sich seinem Stereotyp unterordnen muss – aber da ist noch eine andere Seite an ihm, die er aber nicht zeigen darf. Ich wollte diese Seite durch die Wahl von Kleidern, Korsagen und Röcken an die Oberfläche kehren und sie mit der protektiven Kleidung des Hockey-Sports vereinen. Der Junge ist geschützt und doch gleichzeitig gefangen in diesem Schutz.“

Julia Männistö zeigte auf der Berlin Alternative Fashion Week ihre vom Eishockey inspirierte Kollektion. Typische Elemente der Kleidung des Sports, wie Stutzen, Schnürungen und sogar das passende Schuhwerk wurden mit in die Kollektion aufgenommen. „Ich bin in Finnland aufgewachsen – dort ist Eishockey der Volkssport. Am Anfang konnte ich selbst kaum glauben, dass ich eine Hockey Kollektion mache!“ Doch statt sich einfach der Ästhetik zu bedienen und sie in Straßen-taugliche Outfits umzuwandeln, entschied sich Julia für einen sehr kopflastigen, avantgardistischen Look. Der Schwerpunkt liegt auf dem Thema Gender. Es geht um den Druck der Gesellschaft, der Männer dazu zwingt, sich einem Stereotyp anzupassen. Der schon von The Cure besungene Slogan „Boys Don’t Cry“ findet sich typographisch verändert oder in Logos umgewandelt auf fast jedem Stück wieder.

Eng.: „My collection tells the story of a boy, who is a prisoner to his stereotype – but there is another side to him, which he cannot show. I wanted the dresses, corsages and skirts to reveal this other side, and combined these with protective hockey-clothing. The boy is safe, but trapped inside his defence.“

Julia Männistö showed her ice-hockey inspired collection at Berlin Alternative Fashion Week. Typical elements of the sporty clothing, like half stockings, lacing and even the fitting footgear, were included in the collection. „I grew up in Finland, where ice-hockey is the popular sport. At the beginning, I could hardly believe that I was creating a hockey collection!“ But instead of transforming the aesthetics of the sport into every-day-outfits, Julia decided upon a thought-through, avant-garde look. The focus lies on gender, more precisely the societal pressure, which forces men to obey a stereotype. The slogan „Boys Don’t Cry“, popularised by The Cure, is to be found as logos or typographically changed on every other piece of clothing.

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Obwohl größtenteils Kleider und Röcke gezeigt wurden, wirkten die Models keineswegs weiblich. Auch das scheint ein wichtiger Teil der Kollektion zu sein: Macht ein Rock oder ein Kleid einen Mann wirklich weiblicher oder gar „weibisch“? Die Kleider und Röcke stehen symbolisch für die „Tränen“, die der Junge gezwungen ist zu unterdrücken. Ein zusätzlicher Aspekt kommt aus der Kostümgeschichte der Zeit des Rokoko und des Barocks, in der die Männerkleidung (der Oberschicht) sehr viel verzierter und geschmückter war als die der Frauen

Die Inspiration des Eishockey kehrt auf den Prints immer wieder: Spielzüge, Trikotnummer und Mannschaftslogos. Alles auf blauem oder weißem Grund. „Die Hockey-Kollektion war eine Herausforderung für mich. Normalerweise nutze ich viele Farben. Diesmal habe ich mich auf einige wenige Töne reduziert.“ Und das tut der Kollektion definitiv gut. Der Fokus liegt auf dem Gedanken der Kollektion und den Details, die aus ihrer bisherigen Struktur genommen und neu interpretiert wurden.

Eng.: Even though mostly skirts and dresses were shown, the models did by no means appear to be feminine. This seems to be an important message, the collection contained:  Does a skirt or a dress really make a man more feminine or even „effeminate“? The dresses and skirts symbolize the „tears“, the boy is forced to suppress. An additional aspect comes from the costume history of the era of rococo and Baroque, during which the men’s clothing (of the upper class) was much more decorated and bedecked than the clothes women wore.

The ice-hockey theme recurs in the prints again and again: moves, shirt numbers and team logos, always on white or blue fabric. „The hockey-collection was a major challenge for me. Usually, I work with many colours. This time I reduced the palette to a very small amount of shades.“ And this definitely benefits the collection. The focus lies on the collection’s thought and the details, Männistö removed from their former structure and re-interpreted.

Photos: Michael Wittig

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