BIENNALE Résumé | The Key in the Hand

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Die Biennale in Venedig ist seit über einem Jahrhundert eine der wichtigsten Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst. Die Nationen der Welt präsentieren sich in „Pavillions“ – eine Idee die in Zeiten der Globalisierung zwar sehr veraltet scheint aber an einigen Punkten hilft sich in die Lebenswelten der Einwohner anderer Länder zu denken. Ein Beispiel dafür sind kleine Inselstaaten die durch den Klimanwandel und den daraus folgenden Anstieg des Meeresspiegels immer weiter überschwemmen. Neben dem Klimawandel gab es bei der letztjährigen Biennale Arte die unter dem Motto „All the Worlds Futures“ stand aber vor allem ein Thema: Technik und ihre Auswirkung auf die Menschheit. Dabei haben Themen wie Vernetzung, moderne Kriegsführung und der immer härter werdende Kapitalismus eine große Rolle gespielt.

Vernetzung ist auch die Thematik die die in Berlin lebende Künstlerin Chiharu Shiota zu ihrer Installation „The Key in the Hand“ gebracht hat. Obwohl auf dieser Biennale Video-Installationen ganz klar dominierten entschied sich die Künstlerin für eine „analoge“ Arbeit. Eine analoge Arbeit zwar, aber mit einem hochgradig digitalen Thema. Ein Markenzeichen der Künstlerin ist das einweben alltäglicher Gegenstände. Für „The Key in the Hand“ arbeitete sie, am Namen unschwer zu erkennen, mit unzähligen Schlüsseln. Diese sammelte sie aus der ganzen Welt. In ihren Augen symbolisieren sie die Erinnerung. Im Raum der Installation befinden sich außerdem zwei Boote. Sie symbolisieren zwei Hände die den „Regen der Erinnerungen“ auffangen. Doch warum kann man die Arbeit auch aus einer digitalen Perspektive betrachten? Boote sind seit jeher Sinnbild für Vernetzung und Fortbewegung. Erst durch Boote war es dem Menschen möglich auch weite Strecken zurückzulegen um beispielsweise neue Kontinente zu erkunden. Die Schlüssel kann man auch als Bild für die Individuen, die wir alle sind, und die unsere Welt bevölkern sehen. Vernetzt durch das Internet, moderne Transporttechnik und Telekommunikation, oder wie hier durch Garn.

EDITOR’S NOTE: Besonders an dieser Arbeit war für mich die unglaubliche Kraft des Bildes das Chiharu Shiota hier inszeniert hat. Wir kamen in diesen komplett mit rotem Garn durchzogenen Raum. Von weitem wirkt es wie eine zusammenhängende Masse, erst beim näheren Betrachten sah ich die Schlüssel. Die Arbeit hat also schon rein optisch mein Interesse erweckt. Beim längeren Grübeln über den Kontext fielen mir aber immer neue Betrachtungsebenen ein auf die dieses Bild übertragen werden kann. Großartig und definitiv eines meiner Biennale Faves.

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ENG: The Venice Biennale has for over a century been one of the most important events in contemporary art. The nations of the world present themselves in “pavilions” – an idea that may seem very outdated in the age of globalization, but in some ways helps to think about the lifestyles of people from other countries. An example of this are the small island countries that continue to be swallowed up by climate change and the resultant rise in sea levels. In addition to climate change, there was at last year’s Biennale Arte, held under the motto “All the World’s Futures”, one theme addressed before all others: technology and its impact on humanity. Here, topics such as networking, modern warfare, and the ever-increasing harshness of capitalism all played a major role.

Networking is also the topic that Berlin-based artist Chiharu Shiota addressed with her installation The Key in the Hand. Although video installations clearly dominated last year’s Biennale, the artist chose an “analogous” work. An analogous work, but with a highly digital theme. Incorporating everyday objects is one of the trademarks of the artist. For The Key in the Hand she worked with countless keys – not hard to guess given the title. These she collected from around the world. In her eyes they symbolize memories. In the space of the installation are also two boats. They symbolize two hands that catch the “rain of memories.” But how can the work also be appreciated from a digital perspective? Boats have always been a symbol of networking and transportation. Only by boat was it possible to travel long distances, to explore new continents for example. The keys can also be a metaphor for the individuals who we all are and who inhabit our world. Linked by the internet, by modern transportation technology, and by telecommunications – or, here, by yarn.

EDITOR’S NOTE:

The incredible power of the image that Chiharu Shiota created with this work deserves particular note. We came into this room completely crisscrossed with red yarn. From a distance it looked like a coherent mass – only upon closer inspection did I see the keys. Thus the work had already aroused my interest from a purely visual standpoint. But when pondering longer about the context, I was struck with new viewpoints from which to appreciate the work. Simply marvelous, and one of my Biennale faves.

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